Story ohne Namen Teil 5 / Woche 4

Schnapp-Wort

Danke für 46 gespendete Worte, die hoffentlich alle ein schönes Plätzchen in der Story ohne Namen gefunden haben :-D Ich schon jetzt gespannt darauf, mit welchem Material ich weiter arbeiten kann. Bleibt bitte sooo fleißig, ich habe wirklich großen Spaß an der Sache.

Die Einführung sowie den Anfang der Geschichte findet ihr hier.

Teil 5 Woche 4/2013

Gespendete Worte: Kaiman, Tee, Tautropfen, Zahnschmerz, Salzgurke, Fischauge, Wegweiser, Cake-Pops (Lutscher), Schnurrbart, Schokoladenbrötchen, runder Würfel, Bushaltestelle, Einhorn, Medikamente, Filzklette, Hexenverbrennung, Hausnummer, Longierpeitsche, Sekundenzeiger, Andentanne, traurig, Knospe, Eiszapfen, Pinguine, Armbanduhr, Schmuckstück, Feder, Waffeleisen, schlaflos, Blüte, Fisch, Rosen, Erbseneintopf, Efeuranke, federleicht, Bücherstapel, Drehwurm , Fachwerkhaus, Vampir, Geschenktüte, Clown, Ping, Sorgenpüppchen, eisgekühlt, Howdy, Viren

 

Raoul ging mit Ursula und Matthias zu deren Hütte. Am Dach hingen bereits vereinzelt Eiszapfen herunter, und die Kälte schien noch nicht an ihrem Höhepunkt angelangt zu sein. Die vereinzelten Knospen, die Ursula und Matthias gestern bei Tageslicht entdeckt hatten, waren sicher bereits erfroren. Drinnen setzten sie sich an den Tisch und der Touristenführer fragte traurig: „Also was ist geschehen?“ Matthias erzählte und versuchte, nichts auszulassen. Raoul schüttelte entsetzt den Kopf, als er von dem Angriff mit dem Messer hörte. Er war nun sicher, dass die Beweggründe den Wissenschaftler Tom zu entführen und auszufragen, ganz andere waren, als die, die man ihm vermittelt hatte. Er sah auf seine Armbanduhr, der Sekundenzeiger schien sich sehr langsam zu bewegen. Die Sicherheit der ihm anvertrauten Touristen musste gewährleistet sein, und das ging erst, wenn er sie gleich morgen früh wieder hinunter in die Stadt gebracht hatte: „Schließen Sie Ihre Türen ab und verlassen Sie vor Tagesanbruch auf gar keinen Fall Ihre Hütte. Ich werde versuchen heraus zu bekommen, was da draußen vor sich geht.“ Er stand auf und ging zur Tür: „Ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen, ich wusste nicht, dass Sie beide in Gefahr sind.“ Matthias folgte ihm und hielt Raoul an der Schulter fest: „Sie sagen uns nicht, was Sie wissen, besser gesagt, sagen Sie gar nichts. Vielleicht stecken Sie mit in der Sache und ich entschuldige mich, falls ich vollkommen daneben liege. Aber Ihre Reaktionen über meinen Bericht des Angriffs vorhin schienen mir nicht sehr überrascht.“
„Matthias, bitte verurteile hier niemanden, bevor du Genaueres weißt. Wir wollen keine Treibjagden die in einer Hexenverbrennung enden, wir wollen in Sicherheit sein. Zumindest kann ich das für mich behaupten. Schlaflos bin ich den Rest dieser Nacht ohnehin, dazu brauche ich keine Mörderpistolen oder Vampirgeschichten!“
Raoul nickte zustimmend: “Ihre Frau hat recht, ich verspreche, mich um die Sache zu kümmern. Aber Sie müssen mir vertrauen und unbedingt hier drinnen bleiben.“ Er fasste in seine Jackentasche und holte einen winzigen Gegenstand heraus, den er Ursula entgegen streckte: „Hier, nehmen Sie das.“
„Was ist das?“
„Das ist mein Sorgenpüppchen, und ich bitte Sie, recht gut darauf aufzupassen. Es ist ein Geschenk meines Freundes aus Guatemala und wird Ihre Sorgen vertreiben. Erzählen Sie ihr Ihr Leid und stecken Sie die Puppe unter Ihr Kissen.“Matthias stemmte die Arme in die Hüften. „Sie sind mir vielleicht ein Clown, statt uns mit einer Waffe auszustatten kommen Sie mit Ihrem magischen Schnickschnack an. Als Nächstes postieren Sie ein Einhorn vor unserer Tür, quasi als Wachposten! Ich will mich nicht hier verschanzen und darauf warten, dass wir flüchten können. Wir kommen mit Ihnen!“

 

Tom saß mit dem Rücken am Ofen und fror entsetzlich. Sein Bewacher hockte, die Beine auf den Tisch gelegt, auf dem Stuhl und hatte sich seiner Wollmaske entledigt. ‚Kein gutes Zeichen‘, dachte Tom, ‚ jetzt kann ich sie alle identifizieren.’
Der Kerl wackelte auf dem Stuhl hin und her und dabei wackelte sein großer, langer Schnurrbart im Takt. Er schien Tom vergessen zu haben und fingerte unablässig mit einem Zahnstocher im Mund herum.
„Wenn Sie so weiter machen“, sprach Tom ihn an, „bekommen Sie Zahnschmerzen.“
„Halt die Klappe, das geht Dich nichts an“, erwiderte er mit grimmigem Gesicht und weit aufgerissenen, aggressiven Augen. Tom ahnte, dass in dem Mann eine Menge Gewaltbereitschaft steckte, doch er wollte endlich wissen, was hier gespielt wurde: „Ich meine ja nur. Aber in Ordnung, dann reden wir über etwas anderes. Warum bin ich hier, Fischauge?“
Mit einem Satz war der Kerl über Tom und zog ihn am Kragen nach oben: „Spiel hier keine Spielchen mit mir! Eigentlich soll ich Dich nur bewachen, aber so federleicht, wie Du bist, kannst Du auch ganz schnell hinaus in den Schnee fliegen. Dann bist Du eisgekühlt und wirst die ersten Tautropfen mit Sicherheit nicht mehr erleben!“ Um die Ernsthaftigkeit seiner Worte zu unterstreichen, schüttelte er Tom so heftig, dass dieser einen Drehwurm bekam.
„Okay“, keuchte er, als der Mann von ihm abgelassen hatte. „Ich sage keinen Ton mehr, versprochen.“ Er ließ sich wieder auf den Boden gleiten und schloss die Augen, entschlossen, sich keinen Zentimeter von der Stelle zu rühren.

 

4 Monate zuvor

Am Nachbarstisch wurde gerade Erbseneintopf serviert, als Tom wieder Platz nahm. Sein schlechtes Gewissen, den Anruf nicht angenommen zu haben, regte sich bereits heftig. Er versuchte noch einen Augenblick standhaft zu bleiben, dann nahm er sein Handy und rief zurück: „Tom hier, Du hast gerade angerufen!“
„Ja“, antworte sein Chef, „ich wollte Dir kurz über das Auswahlverfahren Bescheid geben.“
„Und“, fragte er neugierig und angespannt.
„Noch nichts Neues, es wird sicher noch ein paar Wochen dauern, bis der endgültige Entschluss gefasst wurde. Aber, Deine Medikamentengewinnung aus der Andentanne ist ganz vorne mit dabei. Du darfst dir also ruhig Hoffnung machen.“
Tom jubelte innerlich, vielleicht wurde seiner langen Forschungsarbeit nun bald die Krone aufgesetzt: „Wer ist noch im Rennen?“
„Die Efeuranken von Bettina und natürlich mein Schmuckstück, der Teebaum. Sonst ist nicht mehr so viel am Start, das die Investoren wirklich interessiert. Es gibt da noch eine Sache, die irgendwie mit Kaimanen und Viren zusammenhängt, aber das habe ich ehrlich gesagt nicht ganz verstanden. Okay dann genieß mal dein Wochenende, ich muss Schluss machen.“
Tom aß seine Suppe, die ihm während des Telefongespräches aufgetragen wurde, und überlegte, was er sich noch anschauen konnte, bevor er sich auf den Rückweg zum Hotel machte. Ihm fielen die Pinguine von Peter Kallfels ein, die es auf der Inneren Klosterstraße zu bestaunen gab. Er verspürte jedoch wenig Lust, sich wieder in Horden von Touristen einzureihen, und so beschloss er, noch ein Stück zu Fuß zu gehen. Draußen hatte es aufgehört zu regnen. Wenn er genug von seinem Spaziergang hatte, würde er sich ein Taxi zum Hotel zu besorgen oder nach einer Bushaltestelle Ausschau halten..
Draußen entdeckte er unweit seines Standortes einen Wegweiser, zu dem er, vorbei an einem Laden, in dem sich ein buntes Sammelsurium an Gegenständen befand, schlenderte. Das Schaufenster war so bunt und witzig dekoriert, dass er stehen bleiben musste, um Bücherstapel, ein Waffeleisen, bunte Geschenktüten und eine Longierpeitsche zu betrachten. Der Wirrwarr hatte bei genauerem Hinsehen sogar eine gewisse Ordnung, erkannte Tom auf den zweiten Blick. Das Geschäft schien eine Mischung aus Secondhand-Geräte-Shop und Geschenkboutique zu sein. Ein Schild verriet, dass es hier runde Würfel auf Vorrat gab und man seine überflüssig gewordenen Haushaltsgeräte auf Kommission abgeben konnte. Er schmunzelte: ‚Nette Geschäftsidee‘. Die Hausnummer des Ladens war aus kleinen Kunststoff Cake-Pops zusammengesetzt und setzte dem Fachwerkhaus die Krone auf. Tom hatte Lust, mehr zu erfahren, und trat ein.
Howdy“, begrüßte ihn ein rundlicher Herr in mittlerem Alter. „Abgeben oder Abnehmen?“
Tom stutze: „Wie bitte?“
„Wie ich sehe, haben Sie keine Tasche dabei, also wollen Sie mir hoffentlich etwas von meiner wundersamen Plundersammmlung abkaufen, oder?“
„Ach so“, Tom verstand. „Mal schauen, ob sich etwas für mich findet. Ich muss morgen zu einer Hochzeit. Vielleicht gibt es hier noch ein passendes Geschenk für das Brautpaar.“
„Hochzeit ja? Mal überlegen, mögen Sie die Leute?“
„Ja, sogar sehr.“
Der Mann gluckste: “Dann fällt die Filzklettenkette aus!“
„Allerdings“, erwiderte Tom, und ließ seinen Blick über die Regale schweifen. Nichts von den angebotenen Dingen konnte ihn wirklich überzeugen. Die Auswahl im Schaufenster hatte mehr versprochen, als es tatsächlich zu entdecken gab. Einzig die Fotografie einer Rose, die ihre Blüte in sattem Lila zeigte, sprach ihn einigermaßen an. Er kaufte sie und ging wieder auf die Straße.

 

Raoul blieb energisch: “Sie können nicht mit mir kommen, denn entgegen Ihrer Meinung, habe ich absolut keine Ahnung, was hier los ist. Ich werde Sie kein zweites Mal einer Gefahr aussetzen, und deshalb bleiben Sie bitte hier und warten ab. Ich flehe Sie an, sich bis morgen zu gedulden.“
„Er hat recht Matthias. Ich bin müde und durcheinander von dem, was gerade erst geschehen ist. Ich möchte mich hinlegen, in die Federn schlüpfen und für eine Weile vergessen.”
„Aber was ist, wenn der Typ wieder hier auftaucht“, warf Matthias fragend in die Runde: „Ich habe hier nicht einmal etwas, mit dem ich uns im Notfall verteidigen kann. Wie wäre es, wenn wir die anderen wecken und uns alle zusammen einschließen. Ich würde mich besser dabei fühlen.“
Der Scout schüttelte ablehnend den Kopf: „Wir sollten sie nicht erschrecken und Panik verbreiten. Schrecken ist wie der Gestank eines Fisches, er breitet sich aus und bleibt an jedem haften. Ich werde im Küchenhaus schauen, ob ich etwas auftreiben kann, damit Sie sich sicherer fühlen können. Ich bin gleich zurück. Einverstanden?“
„Ja“, Ursula nickte, „gute Idee. Und danach kann ich mich endlich hinlegen.“
„Ich beeile mich“, versprach Raoul und verschwand aus der Hütte.
Matthias öffnete seinen Koffer und durchwühlte den Inhalt: „Da ist absolut nichts drin, was uns weiter helfen könnte.“
„Nun warte doch erst einmal, ob Raoul etwas findet“, riet Ursula, während Matthias einen Gegenstand nach dem anderen aus seinem Gepäck auf das Bett beförderte. Mit einem Ping landete sein Schlüsselbund auf dem Boden.
„So ein Mist“, rief er zornig und setzte sich resigniert auf das Bett. Sein Koffer war ausgeräumt und er erfolglos geblieben.
Raoul durchsuchte alle Schränke und Schubladen des Küchenhauses. Am besten nahm er zwei der Messer mit, denn mit Salzgurken bewaffnet konnten die beiden nicht viel ausrichten. ‚Vielleicht sind die alten, trocknen und sehr harten Schokoladenbrötchen besser geeignet‘, dachte er kurz amüsiert, bevor ihm der Ernst seiner Lage sehr rasch wieder klar wurde. Er musste handeln, und zwar sofort.

 

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11 Kommentare von "Story ohne Namen Teil 5 / Woche 4"

  1. Februar 2 - 18:30 | Permalink

    grins… eine Salzgurken-Brötchenschlacht! :D und es entwickelt sich ja rasant, erfahren wir noch etwas über den Efeurankenextrakt von Bettina? :)
    Supertoll, Sunny, und danke auch für die wunderbare Spendenaktion! ♥
    umärmel
    Claudia, die sich auf nächste Woche freut!

    PS: Rechtschreibfehler die gefunden werden, dürfen wir behalten, oder? *zwinker*

  2. Iris's Gravatar Iris
    Februar 2 - 18:32 | Permalink

    Sehr schön. Das ist irgendwie wie ein Fortsetzungsroman in einer Tages- oder Wochenzeitung. Man fiebert der nächsten Folge entgegen.

  3. Februar 2 - 20:03 | Permalink

    Wieder einmal spannend zu lesen. Auch wenn ich hier mit dem Ping zufrieden bin so finde ich das Einhorn Ping auch nicht schlecht. ;)
    Unabhängig davon: Deine Ideen sind wirklich klasse.
    LG Timm

    • Sunny's Gravatar Sunny
      Februar 2 - 20:06 | Permalink

      Den Namen fand ich zu süß für ein Einhorn :-D

  4. Februar 2 - 21:00 | Permalink

    Na da hat die Salzgurke in den letzten Zügen ja noch ihr Plätzchen bekommen. Neben den Schokobrötchen von Melliausosna. Hihi! Eine Frage bleibt da noch: Bettina??? Mein nächstes Schnappwort wartet schon als Entwurf: Ich muß nur noch auf “veröffentlichen” klicken. Freu* Das ist für mich seit dem Schnapp-Wort mit das schönste am Sonntag! :-)

  5. Februar 2 - 23:10 | Permalink

    Was für eine tolle Fortsetzung. Der Schutz durch Sorgenpüppchen und Einhorn gefällt mir und auch die Hexenverbrennung hast du super untergebracht. Secondhand-Geräte-Shop und Geschenkboutique; das nenn ich Geschäftsidee!

    Mein Schnapp-Wort für morgen wartet schon auf Veröffentlichung ;)

    LG Romy

  6. Februar 3 - 00:04 | Permalink

    Ohhh…. das Einhorn hast Du ja klasse eingebaut :)

    Wieder mal ein großes Lob!

  7. Februar 3 - 21:21 | Permalink

    Echt klasse…auch wie du die Worte einbaust…einfach herrlich ;)

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