Kapitel 1 der Sonntagsrätsel-Geschichte

Auch wenn man es kaum für möglich hält. Die Geschichte zur Blogaktion Das kreative Sonntagsrätsel aus dem letzten Jahr ist fertig .

Allzu viel möchte ich noch nicht verraten, denn ich möchte sie euch (den Teilnehmern der Aktion) ja nach Veröffentlichung als E-Book übergeben können.

Damit ihr schon mal ein wenig Blut leckt, bis es losgeht, habe ich mich entschlossen, euch ein wenig schnuppern zu lassen. Deshalb gibt es hier (quasi als Deutschlandpremiere) schon mal das erste Kapitel zu lesen.

Für alle, die die Aktion nicht kennen und sich vielleicht darüber wundern, dass einige Worte im Text hervorgehoben sind, hier könnt ihr alles wissenswerte nachlesen. Jetzt aber mal ran an Kapitel 1

Kapitel 1

Januar Worte:

Spätzle, Zahnstocher, Türknauf, Thron, Turm, Finger, Feld, Pferde, Qualle, Nagellackfläschchen, Gitarre, Schildkröte, Krötenwanderung, Atomkraftwerk, Brillenschlange, Katze, Regenwolken, Kaffeepad, Äpfel, Räuchermann, Tannenbaum, Kerze, Urlaub, Duftlampe, Höhle, Socken, Kaffeebohne, Schwein, Streichholzköpfe, Tee, Pizza, Kerzenlicht, Autoaufkleber, Sonnenuntergang, Tassensammlung, Wendeltreppe, Jetons, Popcorn, Kordel, Lego, Schlemmerfilets, Wunschzettel, Entspannungsbad, Feuerwehrauto, Faschingskostüm, Pudelmütze, Macarons, Plastiktüte, Gemüse, Türkei, Freiheitsstatue, Schneekanone, Hexenbesen, Motorroller, Flur, Bücherregal, Kotflügel, Orchidee, Fliesenspiegel, Blüten, Troller, Nachspeise

 

»Man macht sich das Dasein stets leichter, wenn man aus einer schlimmen Erfahrung einen positiven Gedanken mitnimmt«, bleibt, solange ich denken kann ein beliebter Ausspruch von Großmutter Gusti. Bis ich es schaffte, aus einem ausgesprochen negativen Erlebnis einen der glücklichen Zeiträume meines Lebens zu verwandeln, mussten viele Kaffeebohnen und Macarons herhalten. Die Aussicht auf einen Erfolg schien so unwahrscheinlich wie ein Faschingskostüm für die Freiheitsstatue und dennoch ist es geschehen. Bevor Sie als Leser in ein echtes Wunder einsteigen können, benötigen Sie Vorabinformationen, die ich Ihnen nun zur Verfügung stellen möchte. Nur die Beule am Kotflügel, die ich bis heute nicht repariert habe, ist zu wenig Beweis dafür, was sich vor einigen Monaten abspielte.

Anfang Dezember, wenn jeder teils gestresst, teils verzaubert dem Weihnachtsfest entgegensieht, befand ich mich in einer kreativen Pause. Der Roman war beendet und ich kam zu einer Menge Freizeit, bis ich die Druckfahne Korrekturlesen musste. Beflügelt von der Vorstellung, in diesem Jahr in Ruhe alle Besorgungen erledigen zu können, verflogen die ersten pflichtfreien Tage auf meinem Thron vorm Bücherregal. Omi Gusti lachte sich bei ihren Besuchen schlapp, wenn sie amüsiert auf den selbstgeschreinerten Stuhl zeigte, den ich liebevoll Lesethron getauft hatte. Zugegeben, Meisterwerke sahen anders aus, doch ich liebe die von mir eingearbeiteten kreativen Details bis heute. Der auf der Rückenlehne angelehnte Türknauf verhindert, dass der Thron zu dicht an einer Wand steht und die Tapete ankratzt. Das Sitzkissenmuster aus Pferden und Quallen gefällt mir, auch wenn ich diese Ansicht mit recht wenigen Menschen teile.

»Warum hast du nicht das Krötenwanderungs-Tuch benutzt, damit wäre der olle Hocker noch dämlicher geworden«.

Nach solch bösartigen Aussprüchen von Oma war ich gewiss, dass sie zumindest in einem ihrer früheren Leben in einer Höhle gehaust und sich mit dem Hexenbesen fortbewegt hatte. Der Stoff mit dem Froschdesign ist ausgesprochen niedlich, ich nähte Küchentücher aus ihm und beglückte damit viele meiner Freundinnen.

»Kapier doch Omi, das ist moderne Kunst und für deine Generation ungewohnt«, verteidigte ich mich damals eher lahm.

Entsprechend fiel ihre Retourkutsche aus: »Da hast du absolut recht. Ihr junges Gemüse macht euch nichts daraus, Socken zu stricken. Stattdessen kauft ihr alberne Autoaufkleber, die zeigen, dass ihr kontra Atomkraftwerke seid. Nicht dass ihr damit jemals etwas erreichen könntet. Troller, oder wie diese monströsen Kisten heißen, fahren wollen, aber gegen die Energiegewinnung kämpfen. Euer Kaffee wird aus einem Kaffeepad gebrüht, das Popcorn kommt genau wie das Schlemmerfilet aus der Mikrowelle und statt Kerzen gib es Duftlampen.

»Moderne Zeiten«, versuchte ich Oma Gusti zu versöhnen.

»Paah, unser Urlaub im Bayerischen Wald war sicherlich wenigstens genauso schön, wie der all-inclusiv-Aufenthalt in der Türkei, auch ohne OrchideenBlüten auf dem Nachspeise-Büfett. Nur kann sich das heute niemand mehr vorstellen. Pfeif auf den Sonnenuntergang, Wunder sehen anders aus. Als ich die erste Schneekanone sah, wollte ich es einfach nicht glauben. Ich stand mit der bunten Pudelmütze am Rande des Skifeldes und staunte Bauklötze! Ja ich weiß, heutzutage staunt man Legosteine, aber egal. Dabei hab ich echt Schwein gehabt, dass ich mich vor lauter Schreck nicht auf den Hosenboden gesetzt habe. Ich dachte, mir fehlt Porzellan in meiner Tassensammlung. Schnee aus einer Maschine, unglaublich!«

»Och Omi, es gibt doch auch Neuerungen, die toll sind, du lebst zu altbacken.«

»Beispiele her«, konterte sie jedes Mal lächelnd. Und bitte nicht wieder mit der Reaktionszeit einer Schildkröte

»Plastiktüten sind praktisch, das musst du zugeben.«

»Der Umweltschutz steht auf deinem politischen Wunschzettel, oder? Passt das zusammen? Möööp null Punkte und erneut keine Jetons fürs Punktekonto. Tüten mit Kordel sind sicher uncool, aber edel zur Umwelt.«

Fliesenspiegel statt Elefantenhaut in der Küche!“

„Was gibt es gegen abwaschbare Tapeten zu sagen, sind auch erheblich erschwinglicher!“

Gerne streckte sie mir nach einem solchen verbalen Sieg zur Unterstreichung die Zunge heraus.

Leider kann ich nicht mehr mit ihr diskutieren. Oma Gusti hat uns im letzten Jahr verlassen. Meine Großmutter, die sich über selbstgebastelten Dinge lustig machte und schnell, wie ein Feuerwehrauto zur Stelle war, wenn man sie brauchte, fehlte mir noch immer an jedem Tag. Nun kennen Sie, lieber Leser, Omi etwas besser. Doch offen gesagt wollte ich ein wenig vom Wunder in meinem Leben erzählen.

Wo bin ich stehengeblieben? Ach ja, die Freizeit vor Weihnachten.

Bequem im Thron verbrachte ich etliche Stunden mit meiner wärmenden Katze auf dem Schoss. Ich genoss Tee, der nach Zimt-Äpfeln schmeckte, aß Spätzle bei Kerzenschein, was auch allein eine recht romantische Erfahrung sein kann, besonders wenn sie statt einer Tiefkühl-Pizza auf den Tisch kommen. Danach begeisterten mich während eines Entspannungsbades die Klänge spanischer Gitarren. Kurzum keine Regenwolke am Himmel über dem Elfenbeinturm meines Zuhauses. Bis auf den Finger des quälenden Schmerzes und der Trauer, doch daran konnte ich im Augenblick nichts ändern. Weshalb ich es mit dem Leitsatz: »Augen zu und durch«, von Oma Gusti hielt. Die Weisheit zu Dingen, die gegeben und unabänderlich sind, und die sie gewiss zustimmend abgenickt hätte.

Als ich im Flur am Spiegel vorbeikam, sah ich erschrocken, dass Gustis Aussage, ich müsse mehr essen, absolut der Wahrheit entsprach. »Du schaust aus wie ein Zahnstocher, dünner als abgebrannte Streichholzköpfe«, erklärte sie oft mit besorgtem Gesichtsausdruck.

»Aber du bist eine Brillenschlange«, lautete stets meine Antwort. »Blind wie Harry und so intelligent wie ein Nagellackfläschchen

Freundlich klingt anders, sah ich ein, und bedauerte fast, oft mit fiesen Aussprüchen gekontert zu haben. Andererseits hatte sie unsere Wortspielereien geliebt und wäre zutiefst beleidigt gewesen, wenn ich mich ihretwegen verbogen hätte.

‚Omi ist einfach überall‘, dachte ich betrübt und stieg die Wendeltreppe nach oben, um den Räuchermann aus der Kiste im Kleiderschrank zu befreien. Im Wohnzimmer erklärte ich meiner Katze Tante Emma, dass ich morgen einen Tannenbaum kaufen und deshalb statt des Motorrollers das Auto nehmen musste. So nahm das Schicksal seinen Lauf.

 

So startet die Story deren Titel ich auch noch ein wenig unter Verschluss halten muss . Daggi und Iris waren übrigens auch fleißig und haben jeweils ein Kapitel zur Geschichte beigesteuert – Danke euch Mädels ! Die kleinen Fehlerteufelchen, die sich sicher noch im Text befinden, dürfen vorerst behalten werden .

 

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3 Trackbacks von "Kapitel 1 der Sonntagsrätsel-Geschichte"

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