Gib mir Worte

Israel – nicht was man erwarten würde -Gastbeitrag-

Ihr wisst ich bin Reisefan, deshalb freue ich mich, euch den Bericht von Nicole zeigen zu dürfen.
2012-07-16 16.09.59
Im Sommer des letzten Jahres ergab sich die wundervolle Gelegenheit, dass ich meine Freundin Nirit in ihrer Heimat Israel begleiten konnte. Nirit wurde in Hazorea, einem jüdischem Kibbuz, geboren. Sie lebte dort bis zu Ihrem 21sten Lebensjahr und kehrt seitdem regelmäßig für Besuche zu Ihrem Geburtsort zurück.
Reise in die Vergangenheit
Anders als andere Kibbuzim ist Hazorea das einzige, dass von der deutsch-jüdischen Jugendbewegung „Werkleute“ gegründet wurde. Während sich die Lage im Winter 1933 für Juden in Deutschland enorm zuspitzte beschlossen die Mitglieder ein Kibbuz in Israel zu gründen. Anfang 1934 kamen die ersten Mitglieder im damaligem Palästina an. Viele mussten Ihr Studium abbrechen, um sich auf das völlig andere Leben als Pioniere vorzubereiten. Am Fuße des Berges Karmel, südlich von Haifa und Nazareth, beschloss sich die Gruppe niederzulassen. Wer einmal die Gelegenheit bekommt Hazorea zu sehen, wird kaum glauben, dass wo heute einladende Vegetation und zahlreiche kleine Häuser stehen, einst karge und beinahe trostlose Landschaft die frühen Siedler begrüßte.
Leben im Kibbuz
Während meines Besuches übernachtete ich mit meiner Freundin in einem der Appartements, die vor allem für die jüngeren Mitglieder der Gemeinschaft bereitgestellt werden. Das Leben im Kibbuz ist sicherlich alles andere als luxuriös, bietet jedoch alles was man nötig hat. Jedes Haus hat sein eigenes Badezimmer, Küche, TV und ein Schlafzimmer. Familienhäuser besitzen auch ein Wohnzimmer. Hazorea gehört zu den traditionellen Kibbuzim, die noch immer an dem alten Prinzip der Gemeinschaft festhalten. Jede Familie hat zwar ein Haus, welches aber eigentlich im Besitz der Gemeinschaft ist. Mahlzeiten wie Frühstück und Abendbrot werden im Speisesaal eingenommen. Wie in jedem Ort, gibt es auch in Hazorea viel zu tun. Alle Mitglieder bekommen bestimmte Aufgaben zugeteilt. Vom Wachmann bis hin zum Landwirt, Arzt oder Kinderpflegerin gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten um sich nützlich einzubringen. Der Erlös wird gleichmäßig verteilt, beziehungsweise zur Instandhaltung oder dem Ausbau des Kibbuz verwendet.
Eines der eindruckvollsten Ereignisse für mich, war es die 92 jährige Großmutter von Nirit kennenzulernen. Während der Schulzeit haben wir uns natürlich sehr intensiv mit dem Thema der Judenverfolgung auseinandergesetzt. Ich fühlte mich sehr geehrt mit einem Zeugen dieser Zeit sprechen zu dürfen und musste an meinen alten Geschichtslehrer denken, der dies gleichermaßen zu schätzen gewusst hätte. Ilana war meinem Gefühl nach ebenfalls sehr erfreut über diese Zusammenkunft und zeigte mir einige ausgewählte Fotos von Ihrer Familie und den Anfängen von Hazorea. Überraschenderweise, reist sie noch immer in regelmäßigen Abständen in Ihre Geburtsstadt Berlin um Vorträge zu geben und Freunde zu besuchen. Ich fand diese Zusammenkunft äußerst faszinierend und musste noch lange darüber nachdenken.
Ein Land im Aufbruch
Grundsätzlich bin ich ohne Erwartungen auf diese Reise gegangen, war aber letztendlich sehr beeindruckt von der Gastfreundschaft und der ehrlichen Herzlichkeit, die man mir entgegenbrachte. Neben zahlreichen Ausflügen in die wunderschöne Landschaft, erwies man mir die Ehre an Familienfeiern teilzunehmen. So fand ich mich lachend und klatschend bei dem Geburtstag von Nirits kleinem Neffen wieder. Hierbei muss ich noch erwähnen, dass ich mich nicht erinnern kann, wann ich in meinem Leben das letzte Mal so gut gegessen habe. Die israelische Küche allein ist schon die Reise wert.
Trotz der Tatsache, dass das tägliche Leben auch in Israel seinen Gang geht, ist und bleibt die politische Situation schwierig. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt. Dennoch habe ich mir nach meiner Reise viele Gedanken zu diesem Thema gemacht. Eine einfache Lösung, für ein Land, welches so viele unterschiedliche Kulturen und Glauben beherbergt, gibt es nicht. Sehr viele kleine Schritte werden notwendig sein, dass Menschen aufeinander zugehen und Kompromisse finden. Viele der Menschen, die ich während meines Aufenthaltes kennengelernt habe, wollen daran arbeiten. Einige haben ein Studium im Bereich Mittelöstlicher Politik oder Kommunikation gewählt und sind damit beschäftigt sich Sprachen wie Englisch und Arabisch auf hohem Niveau anzueignen. Ich hoffe, dass es Ihnen letztendlich gelingt das scheinbar Unmögliche doch noch möglich zu machen.

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